Dipslides – ein simples Werkzeug für die Untersuchung von Wasser gemischten Kühlschmierstoffen?

Dipslides (Eintauchprüfkörper für mikrobiologische Schnelltest) sind bestechend einfach zu benutzen. Behälter aufschrauben, den Prüfkörper in die zu untersuchende Flüssigkeit kruz eintauchen, Rest kurz abtropfen lasse und weider in das Transportröhrchen stecken (locker, damit Luft hinein kann). Je nach Medium in einen Brutschrank stellen und nach Vorschrift ablesen. Danach ganz zudrehen und entweder sterilisieren oder zur Verbrennung geben. Leider hat dieses einfache Werkzeug auch ein paar Nachteile. Daher hier ein paar Erläuterungen:

Dipslides enthalten meist einen Prüfkörper mit zwei unterschiedlichen Nährböden. Eine  Seite  ist ein Universalnährboden, auf dem möglichst viele Keimarten gedeihen. Auf dieser Seite verursacht Keimwachstum die Freisetzung eines Indikatorfarbstoffs (Bild). Daher verfärbt sich jede wachsende Kolonie und kann optisch gezählt werden. Die andere Seite besteht aus einem Medium, dass besonders für Pilze und Hefen gute Bedingungen bildet. Wachsende Kolonien sind hier größer und können bereits mit dem bloßen Auge ohne Indikator erkannt werden. Die unspezifische Seite wird üblicherweise nach 48h Bebrütung ausgewertet, die Pilzseite nach 72h. Diese Praxis hat mehrere Gründe:

  • Bakterienkulturen wachsen im allgemeinen schneller als Pilze und Hefen.
  • Wenn lange gewartet wird, verschmelzen Einzelpunkte/kolonien und können nicht mehr getrennt erfasst werden.
  • In der industriellen Anwendung drängt meist die Zeit und daher verlangt man schnelle Ergebnisse, auch wenn diese nicht vollständig sind.

Besonders der dritte Punkt scheint die Aussagekraft von Dipslides einzuschränken, denn ganz nebenbei bemerkt, 48h und 72h, das ist nicht gerade schnell, in einer Zeit in der mit PCR innerhalb von Stunden die exakte Identifikation von Keimen möglich ist. Außerdem werden eigentlich nur Keime erfasst, die in Gegenwart von Sauerstoff und die schnell wachsen. Gerade die letzten Punkte stellen den Nutzen der Dipslides in Frage.

Pluspunkte, die klar für den Einsatz von Dipslides sprechen:

  • (Fast) kein Keim kommt allein. Im technischen Bereich wird der massive Befall durch einen Keim, der sich möglicherweise schlecht auf einem Dipslide kultivieren lässt, von vielen gut erkennbaren Keimen begleitet.
  • Geringer technischer, personeller und finanzieller Aufwand
  •  Betrachtet man nicht nur Einzelergebnisse, sondern den Verlauf über längere Zeiträume, erkennt man rechtzeitig ansteigende Keimzahlen, um eingreifen zu können.

Alternative, schnellere Verfahren gibt es natürlich, PCR und besonders hervor zu heben, die Messung von ATP (Adenosintriphosphat ist der Energiespeicher aller lebenden Zellen). Jedoch ist jedes dieser Verfahren technisch aufwändig, und keines dieser Verfahren ist bisher ohne gravierende Nachteile, die die Ausagekraft fast ebenso einschränken, wie die simplen Dipslides.

Die exakte Keimidentifizierung mit  PCR ergibt nur Sinn, wenn auch die Bekämpfungsmaßnahmen gezielt erfolgen. Aktuell und in absehbarer Zukunft kann allenfalls gezielt gegen Pilze oder Bakterien vorgegangen werden, wobei selbst diese Unterscheidung wenig Sinn macht. Meist liegt ein sehr allgemeines Verkeimungsproblem vor, bei dem entweder ein ganzer Blumenstrauß Bakterien oder Pilze plus Bakterien zu vermindern sind. Der tiefer gehenden Information steht also kein Nutzen gegenüber.  ATP-Messungen hingegen sind sehr schnell, aber stark auf exakte Durchführung angewiesen, sonst verfälschen z.B. einzelne Pilzbruchstücke das Bild gewaltig. Andererseits können Pilze  vollkommen übersehen werden, noch eher als auf Dipslides, denn erstens deuten nur ungwöhnliche hohe ATP-Werte hin. Ein abgebrochener.Trieb eines Pilze enthält ein Vielfaches an ATP verglichen mit Bakterien, aber Pilzsporen, die auf einem Dipslide anwachsen, enthalten nur wenig ATP-Menge und gehen daher in der Grundmenge des ATP aus den Bakterien unter. Also viel ATP= viele Bakterien oder ein Pilzbruchstück bzw. wenig ATP=wenige Bakterien aber möglicherweise viele Pilzsporen??

Sollten also diese leidigen Messungen besser ganz unterbleiben? Ich rate davon ab und zwar aus zwei Gründen:

  1. Die Entwicklung der Verkeimung kann man in jedem Fall erkennen, wenn auch nur grob.
  2. Der Umgang mit verkeimte Arbeitsmedien (KSS) gilt  rechtlich als nicht gezielter Umgang mit Gefahrstoffen der Gefährdungsklasse 2. Der Arbeitgeber hat daher eine Fürsorgepflicht entsprechend dem Stand der Technik, um seine Mitarbeiter soweit möglich vor Schäden zu bewahren.  Wer nichts unternimmt handelt also mit Sicherheit fahrlässig oder sogar grob fahrlässig und riskitert Regressforderungen.

publikationen.dguv.de/dguv/pdf/10002/i-762.pdf

 

http://www.umweltschutz-bw.de/?rate=2&action=rate&lvl=6600

jdjdada